Die Hoerder-Villa ist eine der teuersten und prächtigsten Villen in der ehemaligen West-End-Siedlung. Die Fassade ist in Gelb und Bordeauxrot gestrichen und fällt dadurch besonders ins Auge. Sie wurde für Fritz Hoerder erbaut, der ein Magnat in der Spirituosen- und Hefeindustrie war. Der Entwurf der Villa stammt vom Berliner Architekten N. Widman aus dem Jahr 1896, zu einer Zeit, als in der Umgebung viele andere Luxusgebäude entstanden. Der Bau wurde ein Jahr später nach Überarbeitungen durch das Berliner Architekturbüro Gerard fertiggestellt. Im Jahr 1906 entstand auf dem Gelände der Villa zudem ein Wintergarten. Charakteristisch ist der Baustil des Gebäudes, der sich am Geist der malerischen Architektur orientiert, bei der sich die Fassaden des Gebäudes an das Innere anpassen. Das Ganze bildet dabei eine märchenhafte Komposition. Der Stil der Villa ist aufgrund der Anlehnungen an Gotik, Renaissance und Barock eklektisch. Nach dem Tod von Fritz Hoerder erwarb Frintz Renter (ein Apotheker aus Stettin) das Gebäude im Jahr 1939. Nach dem Krieg ging die Villa in den Besitz der Stadt über, die an dieser Stelle ein Militärgericht einrichtete. Mit dessen Bestehen ist die düstere Geschichte des luxuriösen Stadtviertels verbunden. Inkompetente Behörden, die mit der Aufarbeitung der Vergangenheit betraut waren, verurteilten hier fälschlicherweise viele Menschen zum Tode. Das Gebäude ist asymmetrisch und verfügt über kleine, stufenförmige Türme sowie einen großen, repräsentativen Turm mit einer neobarocken Kuppel. Die Fenster sind mit Akanthusblättern verziert. In das Innere der Villa führt eine prächtige Tür mit einem Hundesymbol, das an die Tradition von Pompeji anknüpft, wo unter den Trümmern der Stadt ein Bild eines Vierbeiners mit der Aufschrift „Hüte dich vor dem Hund“ gefunden wurde. Bemerkenswert sind außerdem das Gemälde des preußischen Adlers, der Scheinkamin sowie die repräsentative Holztreppe mit Geländern. Daneben befinden sich weitere Gemälde, die eine Eiche, die Sonne sowie eine Henne, eine Katze und eine Eule darstellen. Der Speisesaal ist, wie in den meisten Villen jener Zeit, mit einer dekorativen Decke gekrönt.

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