In Tuczno und der näheren Umgebung kam es dreimal zu Epidemien. Die erste davon, eine Pestepidemie, ereignete sich im Jahr 1624; damals starben 500 Einwohner der Stadt an der Seuche. Ein weiterer Ausbruch der Seuche erfolgte im Jahr 1707 und forderte zahlreiche Opfer in der Stadt selbst sowie noch mehr in der Umgebung. In den Jahren 1837–1865 breitete sich im gesamten Landkreis Wałcz die Cholera aus, die von Soldaten aus dem preußisch-österreichischen Krieg hierher gebracht worden war. Damals war es im Falle einer Epidemie notwendig, die Verstorbenen in einiger Entfernung von der Stadt zu bestatten. So entstand auch der Friedhof von Tuczyn, doch im Laufe der Zeit rückten die städtischen Bebauungen immer näher an sein Gelände heran. Es sind jedoch keine Aufzeichnungen darüber erhalten geblieben, in welchem Jahr der Cholerafriedhof von Tuczyn angelegt wurde. Es gab keine archäologischen Untersuchungen, die Aufschluss darüber geben könnten, aus welchem Jahrhundert die ersten Bestattungen stammen, zumal der Friedhof mehrmals umgestaltet wurde und die Bestattungen in den folgenden Jahrhunderten wahrscheinlich an Stellen erfolgten, an denen bereits zuvor Gräber bestanden hatten.
Heute hat das Friedhofsgelände die Form eines Dreiecks mit einer abgeschnittenen südlichen Ecke. Es ist mit zahlreichen, seit langem nicht mehr gepflegten Sträuchern bewachsen, außerdem stehen hier viele alte Bäume. Durch die Mitte verläuft ein recht breiter Weg, doch die Einteilung in Grabfelder ist mittlerweile nicht mehr erkennbar. Auf dem Friedhofsgelände steht eine neugotische Backsteinkapelle, die vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Spuren von Gräbern sind noch zu erkennen, Grabsteine sind jedoch nicht erhalten geblieben.
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