• Adresse: 72-405 Świerzno

Zwar hat die prächtige Barockresidenz der Familie Flemming ihre Blütezeit bereits hinter sich, doch geben die Arbeiten zur Rekonstruktion dieses außergewöhnlichen Schlosskomplexes, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach den Prinzipien des Fachwerkbaus errichtet wurde, Anlass zur Hoffnung. Es lohnt sich, in diesem kleinen Ort auf dem Weg von Kamień Pomorski nach Trzebiatów zumindest kurz Halt zu machen, um die Überreste eines der repräsentativsten Fachwerkbauten in ganz Westpommern bewundern zu können. Es handelt sich um die erste Residenz in dieser Region im französischen Stil „entre cour et Cardin“ (zwischen Innenhof und Garten). Um den viereckigen Innenhof herum entstanden vier identische Gebäude, hinter denen sich ein geometrisch angelegter Park erstreckte. Das gesamte Areal war von einer Palisade und Toren umgeben, von denen eines von charakteristischen hölzernen Türmchen flankiert wird, die einst als Taubenschläge dienten. Der Erbauer dieses außergewöhnlichen Werks war der Stargarder Architekt Andrzej Haase. Der Entwurf entstand höchstwahrscheinlich in einem Architekturbüro in Dresden. Man konnte ihn im Schloss bis zum Zweiten Weltkrieg bewundern, während dessen er leider niederbrannte. Ursprünglich sollte das Gebäude ein Jagdschloss des Grafen Bogusław Bodo von Flemming, eines Kavalleriegenerals von König August dem Starken, werden. Nicht nur die Außenarchitektur des Gebäudekomplexes begeistert, sondern auch das Innere, das sich, obwohl ziemlich stark beschädigt, in seiner ursprünglichen Form erhalten hat. Im Prunksaal eines der Gebäude sind rund um die für das Orchester vorgesehene Empore eine Reihe von Gemälden angeordnet, die Figuren in Ballkleidung darstellen, die Musikinstrumente in der Hand halten und das Geschehen auf dem Tanzparkett beobachten. Dort sind auch italienische Schauspieler der Commedia dell’arte zu sehen. Es handelt sich um eine für Pommern einzigartige Komposition, die auf italienischer Kunst und einem französischen Garten- und Schlosskonzept basiert. Derzeit befindet sich das Anwesen in Privatbesitz und wird gerade restauriert. Bemerkenswert ist, dass in Świerzno nicht nur der Gutshofkomplex, sondern auch die Dorfkirche in Fachwerkbauweise errichtet wurde; diese befindet sich etwa 100 Meter weiter entfernt im Zentrum des Dorfes. Die Kirche wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und von der Familie Flemming reich ausgestattet. In den Dokumenten werden silberne Kelche mit eingravierten Familienwappen, eine Sanduhr aus dem 18. Jahrhundert, ein Säckchen mit Glöckchen zum Sammeln von Spenden sowie hölzerne Kerzenleuchter und ein hölzernes Taufbecken erwähnt. Interessant ist die Bauweise der Kirche selbst, die in mehreren Etappen entstand. Im Zuge der nachfolgenden Umbauten wurde die Hauptwand verlängert und gleichzeitig der Turm ummantelt.

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