Die „Tigerradtour“ ist eine jährliche Radtour zur Unterstützung des Zoos im deutschen Eberswalde. Die Veranstaltung findet seit 2005 statt. Der Zoo, der mitten im Naturschutzgebiet Nonnenfließ/Schwärzetal liegt, ist auch bei polnischen Touristen beliebt. Die etwa 100 km von Stettin entfernte Attraktion ist von der Hauptstadt Westpommerns aus mit dem Auto in knapp einer Stunde zu erreichen. Mehrere Dutzend Wagemutige haben sich entschlossen, diese Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen!
In diesem Jahr fand die 20. Jubiläumsausgabe der Radtour statt, doch zum ersten Mal in ihrer Geschichte startete die Strecke in Stettin. Diese Tatsache blieb dem Team des Marschallamtes in Stettin nicht verborgen, zu dessen Projekten der Ausbau und die Förderung der westpommerischen Radwege gehören. Diese überqueren an vielen Stellen die deutsch-polnische Grenze, weshalb die Organisation grenzüberschreitender Radtouren immer häufiger wird. Am Abend vor dem geplanten Start der Tour wurden die Teilnehmer in den Sitz des Marschallamtes eingeladen, wo für sie Präsentationen zu den westpommerschen Radwegen vorbereitet wurden, darunter auch zur im Rahmen der deutsch-polnischen Partnerschaft realisierten Rundstrecke Berlin–Stettin–Kolberg. Da diese Strecke heute auf beiden Seiten der Grenze weitgehend befahrbar ist, bot sich eine gute Gelegenheit, Radfahrer aus Deutschland dazu einzuladen, die Routen auf der polnischen Seite zu entdecken, und ihnen bewusst zu machen, dass sie auf ihrer Tour nach Eberswalde auch den zukünftigen Radweg nutzen werden!
Bei dem Treffen in Stettin erfuhr man unter anderem, dass die erste Ausgabe der Tigerradtour in Rostock startete. Damals galt es, 320 Kilometer zurückzulegen, und es wurden 30.000 Euro an Spenden gesammelt. Dank der Hilfe von Freunden sind auf dem Gelände des Zoos bereits zahlreiche Attraktionen entstanden, wie zum Beispiel Kinderspielplätze und ein Bereich für vom Aussterben bedrohte Sibirische Tiger – berichtete Ingolf Fix, einer der Organisatoren der Tour.

Die diesjährige Tour war auch deshalb außergewöhnlich, weil sie an einem der bisher heißesten Tage des Jahres stattfand, an dem die Temperatur fast 40 Grad erreichte! Die Radfahrer und Organisatoren waren jedoch darauf vorbereitet. Das Radfahren unter solchen Bedingungen erforderte nicht nur eine sehr gute Kondition, sondern auch einen vernünftigen Kraftumgang, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gegenseitige Unterstützung. Die Organisatoren hatten sogar einen speziellen Aktionsplan für den Fall hoher Temperaturen vorbereitet. Das Treffen im Marschallamt bot zudem die Gelegenheit, noch vor der Abfahrt organisatorische Fragen und Aspekte der Sicherheit der Teilnehmer zu besprechen.
Und die Strecke war anspruchsvoll, denn es gab zwei Varianten: 100 km und 250 km! Gerade diese längere Etappe begann in Stettin, von wo aus die Radfahrer um 5 Uhr morgens aufbrachen! Den größten Teil der Strecke legten sie auf dem nördlichen Zweig des künftigen Radwegs Berlin–Stettin–Kolberg zurück, und zwar auf dem Abschnitt zwischen Stettin und der deutschen Hauptstadt. Derzeit gibt es hier an den Wegweisern noch keine Schilder, die auf das in Vorbereitung befindliche Tourismusprojekt hinweisen, doch das wird sich in den kommenden Jahren ändern. Die polnische Seite baut die fehlenden Abschnitte auf ihrer Seite (derzeit in der Nähe von Golczewo), während die deutsche Seite den Abschnitt an der Oder (in der Nähe des Grenzortes Gartz) saniert. Der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die Werbung für die Routen auf beiden Seiten der Grenze zeigen bereits Wirkung. Vertreter des Stettiner Radsportvereins „Gryfus“ unternahmen eine Tour nach Eberswalde.
– Am Ziel erwartete uns eine ganz besondere Überraschung. Die Veranstalter baten die Radfahrer von Gryfus, das gemeinsame Feld der Teilnehmer beider Distanzen anzuführen und es als Erste ins Ziel im Zoo von Eberswalde zu führen. Das war für uns eine große Ehre und ein wunderschöner Abschluss der gesamten Veranstaltung – sagen Vertreter des Vereins.
Die gute Stimmung und der Besuch in Stettin blieben auch bei den Nachbarn nicht unbemerkt. „Die Organisation war gut“, sagt Israel, der am Vorabend zusammen mit den Teilnehmern der Langstrecke nach Stettin gefahren war und von den polnischen Radfahrern viele Informationen über die gut ausgebauten Radwege auf der anderen Seite der Oder erhalten hatte“, heißt es in einem Bericht auf der Website der in Ostbrandenburg erscheinenden „Märkischen Oderzeitung“.
Die künftige 800 Kilometer lange Rundstrecke Berlin–Stettin–Kolberg wird nicht nur eine Route sein, die reich an touristischen Attraktionen und landschaftlich abwechslungsreich ist. Abgesehen davon, dass ein Angebot entsteht, das mehrtägige Besuche von Radfahrern aus vielen Ländern ermöglicht, werden die Einwohner der einzelnen Gemeinden und Landkreise – sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite – auch ihre eigenen lokalen Wege für die tägliche Erholung gewinnen.
– Es handelt sich um eine mit Spannung erwartete Route, die es ermöglicht, nicht nur Berlin, Stettin und Kolberg zu entdecken, sondern auch weniger bekannte Ecken der Region. Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit unseren deutschen Partnern, was sich beispielsweise an der Realisierung des Radwegs auf der Siekierki-Neurüdnitz-Brücke zeigt – betont die stellvertretende Marschallin der Woiwodschaft, Anna Bańkowska.



Dieser Artikel wird aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Projekts „Radweg Berlin-Stettin-Kolberg“ kofinanziert, das im Rahmen des Kooperationsprogramms Interreg VIA Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Polen 2021–2027 durchgeführt wird.
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