In Myślibórz ist der historische Grundriss der Altstadt aus dem 13. Jahrhundert bis heute erhalten geblieben. Ihre Anfänge reichen bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. Damals wurde am heutigen Myśliborski-See, auf der Anhöhe Winnica Tumska (Łysa Góra), eine Burg der Lausitzer Kultur errichtet. Zu ihren Füßen entstand eine Fischersiedlung. An derselben Stelle existierte um die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert n. Chr. die slawische Burg Żołdyń (Sołtyń, Soldin oder Słodzin), die bis ins 12. Jahrhundert bestand. Ein Ereignis, das das heutige Erscheinungsbild der Stadt prägte, war die Verleihung der Stadtrechte zwischen 1262 und 1270. Damals wurde das bis heute deutlich erkennbare, charakteristische ovale Straßennetz mit der Hauptstraße (heute Bohaterów Warszawy) und dem zentral gelegenen Marktplatz angelegt. Auf dem Marktplatz, der heute den Namen Johannes Paul II. trägt, wurde der Sitz der Stadtverwaltung errichtet, das bis heute erhaltene Rathaus. Kurz nach Erhalt des Stadtrechts wurde die Stadt von einer Stadtmauer mit Toren und Türmen umgeben. Die Bürger, die durch die in der Stadt stattfindenden Märkte zu Reichtum gelangten, errichteten prächtige Häuser, die leider nicht bis in unsere Zeit erhalten geblieben sind. In ihrer Blütezeit war Myślibórz Schauplatz von Standesversammlungen und Gerichten und verfügte über eigene Maße, Gewichte sowie das Recht zur Münzprägung. Im Jahr 1433 wurde die Entwicklung der Stadt durch die Eroberung und Brandschatzung durch die Hussiten gebremst. Eine weitere Zerstörung erfolgte 1473 durch den westpommerschen Herzog Bogusław X. Im 16. Jahrhundert wurde Myślibórz von gewaltigen Bränden heimgesucht, im 17. und 18. Jahrhundert vom Dreißigjährigen und vom Siebenjährigen Krieg. Obwohl sich die Stadt jedes Mal wieder aufrappelte, floss die Energie in den Wiederaufbau und nicht in die Entwicklung. Daher spielte Myślibórz in der Geschichte der Region keine führende Rolle. Erst die Einrichtung von Eisenbahnverbindungen nach Kostrzyn, Stargard Szczeciński, Barlinek und Gorzów Wielkopolski brachte eine gewisse Verbesserung des Status der Stadt. Leider wurde Myślibórz infolge der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs zu fast 40 % zerstört. Die gesamte Altstadt wurde in das Denkmalregister eingetragen.
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