Die Themenroute „Flieger und Feldlerchen“ vom Berliner Zentrum Industriekultur!
Das Tempelhofer Feld ist seit Ende des 18. Jahrhunderts militärisches Parade- und Übungsgelände. Seit Ende des 19. Jh. ist es auch Schauplatz von Flugversuchen. Gasballons, das Luftschiff von Graf von Zeppelin und das Motorflugzeug der Gebrüder Wright schweben über das Feld und begeistern die heranströmende städtische Bevölkerung. An den Wochenenden nutzt sie das Feld als Ausflugsziel.
Der erste Flughafen für zivilen Flugverkehr eröffnet 1923. Schnell wird er zu klein und muss immer weiter ausgebaut werden, denn die Passagierzahlen steigen sprunghaft. Unter dem NS-Regime beginnt der Bau des heutigen Flughafens Tempelhof. Ernst Sagebiel entwirft den Weltflughafen als Teil der Umgestaltung Berlins zur Welthauptstadt Germania. Die Lage des Flughafens ist an einer Symmetrieachse orientiert, die Bezug auf das Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg nimmt.
Die Anlage setzt sich zusammen aus der Ellipse des Flugfeldes und dem gewaltigen Gebäudekomplex. Dieser besteht aus einer Abfolge symmetrisch angeordneter Bauteile: ein von Bürotrakten flankierter Ehrenhof, das Empfangsgebäude mit dahinterliegender Abfertigungshalle. Den Abschluss der Bauten bildet der 1.230 Meter lange, durch Treppentürme gegliederte Bogen der Hangars mit dem überdachten Flugsteig in der Mitte. Das Gebäude hat mit ca. 7.300 Räumen die Dimensionen einer Kleinstadt.
Während des Zweiten Weltkriegs ruhen die Bauaktivitäten weitgehend. Rüstungsfirmen nutzen das Gebäude von 1939 bis 1945 für den Bau von Kampfflugzeugen. Das Bauwerk bleibt unvollendet. Der Flugverkehr erfolgt weiterhin über den ersten Flughafen von 1923.
Erst unter den US-Alliierten, die Tempelhof als Airbase nutzen, wird der Luftverkehr in dem nun größtenteils fertiggestellten Flughafengebäude aufgenommen. Im Kalten Krieg macht die Berliner Luftbrücke den Flughafen als Tor zur freien Welt weltberühmt. Nach und nach wird er für die zivile Luftfahrt geöffnet.
Ab den 1950er-Jahren bringen einschwebende Stars lange vermissten Glamour nach West-Berlin zurück. Seit 1995 steht der gesamte Flughafen unter Denkmalschutz. 2008 wird der Flugverkehr endgültig eingestellt. Heute ist Tempelhof ein symbolträchtiges Wahrzeichen, das eng mit den Höhen und Tiefen der Geschichte Berlins verbunden ist.
Seit 2010 ist das Tempelhofer Feld öffentlich zugänglich. Die Weite des Felds mit viel Raum zum Entspannen und Austoben begeistert die Berliner Bevölkerung und internationale Gäste. Wie einst ist es wieder ein beliebtes Ausflugziel. Zugleich bietet das Tempelhofer Feld inmitten der Metropole Berlin Lebensraum für Pflanzen und selten gewordene Tiere. Die Feldlerche baut ihre Nester auf den Wiesen zwischen den Landebahnen.
Eine Bebauung lehnen die Berliner:innen 2014 in einem Volksentscheid ab. Die Einmaligkeit des Tempelhofer Feldes inspiriert viel bürgerschaftliches Engagement. Die aktuellen Nutzungen und die künftigen Planungen werden in kooperativen Prozessen entwickelt.
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