Die Themenroute „Kanal und Industrie“ vom Berliner Zentrum Industriekultur!
Am 2. Juni 1906 fährt die kaiserliche Yacht Alexandria aus der Machnower Schleuse: Kaiser Wilhelm II. eröffnet den neuen Teltowkanal. Den Jahrhundertbau vorangetrieben hat der Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch. Er muss eine Lösung für die steigenden Wasserpegel in seinem Landkreis finden. Ingenieure schneiden den Kanal deshalb tief ins Gelände. Zugleich realisieren sie mit dem Bau jahrzehntealte Pläne für eine Südumfahrung der Berliner Schifffahrtskanäle.
Der 39 Kilometer lange Kanal vernetzt die Havel im Westen mit der Dahme und der Spree im Osten. Die größeren der insgesamt 15 Hafenanlagen sind mit eigenen Industriebahnen erschlossen. Über viele der 55 Kanalbrücken rollen moderne Straßenbahnen. Keine Wasserstraße zuvor ist so umfassend elektrifiziert. Die Kanalkraftwerke versorgen auch die neuen Gewerbeansiedlungen. Attraktive Bedingungen für die boomende Berliner Industrie, die im verdichteten Stadtzentrum nicht mehr wachsen kann. Unternehmen aus Optik und Feinmechanik, später auch Elektronik und Kommunikationstechnik siedeln sich an, dazu kommen Chemie und Automatisierungstechnik. Während des Nationalsozialismus beteiligen sich viele Unternehmen an den Verbrechen der Zwangsarbeit.
Der Kanal, an dessen Ufern zu Beginn des 20. Jh. eine gemeinsame märkisch-berlinische Industrielandschaft entsteht, teilt im Kalten Krieg 40 Jahre lang die beiden deutschen Staaten. Heute verbindet er wieder historische und neue Industrielandschaften.
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